Die reine Wahrheit

29.01.2006 - 06 01 29

niederfrequentes Schreiben niederfrequentes Schreiben niederfrequentes Schreiben. Hach ist ja witzig über was ich mich alles echauffieren kann. Bei mir muss man nur immer aufpassen: Och kann im Laufe eines Gespräches eine feurige Meinung entwickeln und anschließend feststellen, dass mir das alles gar nicht so wichtig war, bzw. dass ich beim drüber schlafen bzgl. der Argumente des anderen durchaus einsichtig geworden bin und sage: Ok, so kann man es auch sehen. Was sagt das aus über mich? Das ich sicher ein regsamer Geist bin und selten auf irgendwelchen Positionen verharre. Das Negative ist sicherlich, dass man bei mir selten Konstanz erwarten kann bzw. weiß, wo man mit mir dran wäre. Ich bin aber tatsächlich ein Mensch, dem eine Meinung zwar wichtig ist, ich es aber geradezu lächerlich und dummdreist finde, diese allzu fest einzunehmen. Denn das würde ja bedeuten, alle Menschen, die gegenteiliger Meinung sind, für dumm zu halten! Es gibt sicherlich Themen, die so speziell sind, dass es nicht allzu viele Menschen, gibt, die überhaupt eine Meinung zu dem Thema haben, so dass eine Fraktion mit einer bestimmten Meinung durchaus nur wenige sein können und es deswegen auch möglich ist, dass diese Fraktion nur aus Idioten besteht.  Ansonsten kann man aber davon ausgehen, dass eine bestimmte Meinung genügend Vertreter bestitzt, dass auch sehr Intelligente unter ihnen sein mögen, die durch sehr ausgewogene Abwägung vieler Argumente zu ihrer Meinung gefunden haben und diese meinung deswegen sicher nicht pauschal als falsch hingestellt werden sollte. Die meisten Menschen bilden sich eine Meinung und haben ab diesem Entschluss das Bedürfnis, an der Meinung festzuhalten, und sich dadurch quasi eine gewisse Standfestigkeit zu erschaffen. Standfestigkeit wird geschätzt in der Gesellschaft, und man wird sicherlich zu einem schwammigen Menschen, wenn man seine Standfestigkeit aufgibt, bzw. nicht in der Lage ist, sich eine solche Standfestigkeit zu erhalten. Was man aber gewinnt ist, dass man sich selbst in die Lage versetzt, gegensätzliches gleichzeitig zu verstehen. Und was bei diesem Prozeß herauskommt ist, dass es Meinung nur durch persönliche Selektion gibt. Vorausgesetzt, eine Meinung kam halbwegs fundiert zustande, wird klar, dass die eine Position nur erlangt werden konnte, indem Gewichtungen vorgenommen wurden. Dem einen ist dies wichtiger als das andere, und bei einer fundierten Betrachtung unter diesen Voraussetzungen ist die jeweilige Position das Ergebnis. Unter anderer Gewichtung das Ergebnis. Sagt man nun also, eine bestimmte Meinung sei wahrer als eine andere, sagt man gleichzeitig, dass eine bestimmte Sache wichtiger ist als eine andere. Ist man also der Auffassung, dass Arbeitsplätze wichtiger als Umweltschutz sind, dann wird man auch richtig finden, dass man eben nicht ganz so knauserig sein muss mit Auflagen. Man wird sagen, Umweltschutz ja, aber der kostet Geld, und na, wo kommt das Geld her? Von Arbeit, die getan wird! Wie also die Umwelt schützen, wenn nicht erst mal dafür gesorgt wird, dass Kohle reinkommt? So weit, so logisch? Nun ja, einer, der ganz ernsthafte Bedenken hat, ob nicht unser Planet klimatisch bald vor dem Exitus steht, wofür es immerhin einige Anzeichen gibt, wird die Umkehrung des Prozesses auf die höchste Wichtigkeitsstufe stellen. Dann sind die Arbeitsplätze weniger wichtig, dann wird das Geld für den Umweltschutz aber auch nicht da sein, in letzter Konsequenz wird unser Staatssystem zusammenbrechen, die Menschheit wieder in eine Nichtindustrialisierung zurückfallen. Das klingt dramatisch, aber angesichts der Alternative „Vernichtung der Lebensgrundlage auf unserem Planeten“ eigentlich ein Klacks oder? Immerhin würden wir dann noch leben, nicht mehr mit Autos und Bequemlichkeiten, aber da der Kapitalismus inzwischen ohnehin mehr Opfer als Gewinner hervorbringt wäre es vielleicht auch mal an der Zeit, etwas kollabieren zu lassen! So weit, so konsequent argumentiert. Jetzt kommt der Andersdenkende wieder daher und sagt: Schön und gut, aber die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, und du glaubst doch nicht wirklich, dass wir nach einem Kollaps unseres Systems in eine Zeit ohne industrie und daher in Einklang mit der Natur zurückfallen würden? Nein, das würde nicht geschehen. Zuviele gibt es, die die Mittel dazu hätten, die Anarchie dazu zu nutzen, ihre Macht ins Unermessliche auszuweiten, der Ölmulti, der bestimmt nicht mittellos ist, würde ganz sicher nicht die Produktion einstellen, nein, jetzt würde er erst Recht Profit machen, würde sich an keine Restriktionen halten, weil keiner mehr da ist, der sie einfordern könnte, was wäre dann mit dem Umweltschutz? Würden wir dann nicht noch viel mehr in die Luft blasen, in die Meere gießen, weil niemand die Mächtigen daran hindern kann? Ist es nicht besser, so gut es geht dafür zu sorgen, dass das System bestehen bleibt, und durch das System so gut es geht zu versuchen, Missstände zu verbessern? Klingt gut, sagt da der Andersdenkende, die Frage ist nur: Wird das reichen? Das klingt ja gerade so, als wäre die Erde ein lieber Onkel, der sagt: Ach schau mal, sie geben sich immerhin Mühe, na dann kollabier ich mal noch nicht. So wird das aber nicht sein, wenn’s passiert. Es wird einfach passieren, weil bestimmte Voraussetzungen dafür bestehen. Da nützt es uns nichts mehr, dass wir eigentlich auf nem guten Weg waren, und in 30 Jahren vielleicht verdammt gute Werte hätten liefern können. Wir verhalten uns, als gäbe es da einen Lehrer, der uns eine Hausaufgabe aufgegeben hat, die wir zu dem abgemachten Termin nicht fertigbekommen haben, und den wir jetzt bitten, uns einen späteren Termin zu gewähren und ihm dabei die zwei Seiten von den geforderten 10 zeigen, damit er milde wird und denkt: immerhin macht er was. Es gibt diesen Lehrer nicht. Es gibt nur Prozesse. Und die sind absolut unbestechlich. Es gibt nicht mal eine Terminvorgabe. Der Anderdenkende: Aber genau darin liegt doch das Problem! An dem Termin! Den gibt es nicht, die Spezialisten sind sich uneinig, sie wissen nicht mal, ob es überhaupt je einen Kollaps geben wird, weil sie nicht wissen, welche möglichen kompensatorischen Gegeneffekte auftreten können. Und ich kann doch nicht dass, was das Ergebnis Jahrtausende alter menschlicher Kultur ist, aus einer wagen Vermutung heraus eindampfen! Das macht doch keiner mit! Andersdenkender: Aber sie können doch nicht bestreiten, dass es eine negative Entwicklung gibt, und ohne massives Gegenlenken ist es keine Frage OB, sondern nur WANN alles kollabieren wird. Es ist absolut unverantwortlich, bei diesem Kenntnisstand das Gegenlenken so nachrangig zu behandeln. So weit so gut also dieses imaginäre Gespräch. Ich bin ganz schön abgeschweift, aber darum geht es ja beim so genannten niederfrequenten Schreiben: Kein Plan, was rauskommt kommt raus, so lange was einfällt wird’s geschrieben, kein Blick zurück (das klappt noch nich immer ich geb’s zu). Na ja, also so geht’s mir oft, dass ich immer gegensätzliche Positionen gleichzeitig verstehen kann, in dem Fall also, dass der eine den anderen für einen Phantasten hält, der mit seiner meinung nie etwas erreichen können wird, auf der anderen Seite gebe ich auch dem „Phantasten“ Recht, dass die ganze Realpolitik schön und gut ist, aber es trotzdem irgendwann einfach „PUFF“ macht, wenn wir bestimmte Dinge als unmachbar übergehen. Und dann zählt gar nichts mehr. Ist das ein Vorteil, immer in der Mitte zu schweben und beides zu verstehen? Um Gottes Willen das gelingt mir auch nicht immer. Aber diese doch oft auftretende innere Parität macht mir das Leben schwer, wie soll man Entscheidungen treffen, wenn man beide Wege gleich begehbar hält. Und trotzdem will man aber einen gehen! So’n Ärger, so’n Scheiß! Doppelte Gehirnleistung für doppelten Stillstand. Der Entscheidene geht wenigstens. „Es gibt nichts Gutes außer man tut es“ lautet ja so ein schlauer Spruch, und wenn ich jetzt einbringe „soll ich denn einen Weg auch gehen, wenn ich weiß, dass ich bestimmte Auswirkungen der Reise nicht möchte“ könnte man sagen „wo gehobelt wird fallen Späne“. Komisch es gibt ne Menge Sprüche zu „Entscheide dich und tu was, dann wird alles besser“ aber wenige zu „Geh den Dingen auf den Grund, versuche auch stets herauszufinden, wo der Fehler in einer bestimmten Haltung liegt, den gibt es nämlich immer, wenn man genau genug hinschaut.“ Klingt eher wie ein wissenschaftlicher Ansatz, und das habe ich mir schon oft gedacht: Vielleicht wäre ich ein guter Wissenschaftler? Vielleicht könnte ich mit meinem extrem kritischen Ansatz, auf andere Themen als auf mich selbst gelenkt, ne ganze Menge Annahmen als Mythen oder falsch entlarven und so einen Beitrag zur allgemeinen Aufklärung leisten? Warum bin ich dann keiner geworden, sondern letzten Endes Techniker, wo es eher darauf ankommt, zuzupacken, SCHNELL ENTSCHEIDUNGEN zu treffen und zu handeln? Klingt nach nem Fehlgriff. Wissenschaftlich ist höchtens meine Geisteshaltung, meine Ausbildung und Wissen sind es sicher nicht. Deswegen sitze ich auch hier und leite meinen analytischen Trieb in diese Zeilen mit Mutmaßungen und Spinnereien, in der Hoffnung, etwas großes könnte zufällig dabei entstehen, was aber maximal enstehen kann, sind interessante Gedanken, es taugt nicht mal zur Philosophie (das „nicht mal“ soll keine Geringschätzung der Philosophie sein!), denn auch hierzu fehlt mir das Vokabular, die Einsicht darüber, welche Themen bereits wie behandelt wurden, welche Gedanken wie gedacht, wem ich wie widersprechen könnte, weil ich nicht mal weiß, wer vor mir schon was gesagt hat. Ich kenne die Werkzeuge nicht, ich kenne die Methoden nicht, und dennoch brennt eine Energie in mir, die etwas sagen möchte, weil ich das Gefühl habe, dass ich dazu fähig wäre. WÄRE, denn diese Fähigkeit, solange sie nicht eingeblidet ist (ich habe mich jahrelang für latent arrogant gehalten, weil ich dachte, du bildest dir Fähikeiten ein, die du nicht besitzt, willst was besseres sein, aber nein, ich möchte inzwischen meinem Gefühl vertrauen, und wenn ich was fühle, dann muss das etwas dahinter sein, andere Menschen können andere Dinge, ich kann was ich kann, das hat mit Überheblichkeit gar nichts zu tun), die Fähigkeit ist dann zumindest unausgebildet und somit weitestgehend unbrauchbar, denn möchte man Menschen mit einer solchen Fähigkeit überzeugen, muss man sie nicht nur haben, sondern auch geschult im Umgang mit ihr sein. Und warum habe ich dann nicht rechtzeitig dafür gesorgt? Mich hat niemand daran gehindert, ich hätte es jederzeit tun können. Da kommt das Selbstbewusstsein ins Spiel. Ich habe schlicht und einfach nicht gewusst, welche Fähigkeiten ich habe, und Phantasien, die mir vor Augen führten, was ich mit diesem oder jenem inneren Impuls anfangen könnte, habe ich abgetan, habe es mir nicht zugetraut, dass ich das wirklich könnte. Das ist das eine. Das andere ist, dass auch hier die Untentschiedenheit mitspielte. Ich konnte mir immer so vieles vorstellen, habe mir in zuversichtlichen Momenten alles zugetraut, fand alles interessant und alles möglich, war nicht in der Lage, mich für etwas zu entscheiden, weil alles gleich schön war. In weniger zuversichtlichen Momenten traute ich mir gar nichts zu, wollte ich gar nichts, machte mir überhauopt nichts Spaß, und selbst bereits erworbene Fähigkeiten hatten keinen Sinn mehr, boten keinen Mehrwert gegenüber absolutem Neuland. So geht es mir heute noch oft, so dass ich öfter hadere und überlege, was ich tun soll, als dass ich mit meinen evtl. ach so tollen Fähigkeiten irgenetwas verfolge.

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29.01.2006 - 06 01 29

Niederfrequentes Schreiben niederfrequentes Schreiben niederfrequentes Schreiben was soll dieser Begriff bedeuten ich weiß gar nicht ob es ihn wirklich und richtig anerkannt gibt vielleicht hat ihn auch nur Björn erfunden er jedenfalls meint dass das die Art von Schreiben ist, wo man möglichst ohne Pause und zunehmend absichtsloser einfach schreibt und schreibt so schnell es geht ohne auf Satzzeichen zu achten oder auf irgendwelche Fehler schreiben und schreiben. Bloß nicht zurückschauen! Bloß nichts verbessern. Nach diesem Prozeß das ganze ruhen lassen und später durchlesen und gegebenenfalls oder im Fall, dass es sich lohnt, korrigieren und ordnen. Auf diese Weise soll irgendwann das Unterbewusste zu sprechen anfangen, weil man aufgrund der Geschwindigkeit gar nicht mehr so Recht drauf achten kann was man schreibt und warum man es schreibt. Es soll eine tolle Inspirationsquelle sein, nun ja mal sehen. Zur Zeit denke ich gerade daran einen Text zu schreiben für einen Song der „Egecentrism doesn’t mean I like myself“ heißen soll mir gefällt der schräge Titel und er passt zu mir und zu dem, was ich mit meinem Psychologen immer bespreche, wenn er mir klar macht dass ich narzisstisch bin während ich dann natürlich rebelliere und sage: Das kann doch nicht sein von wegen selbstverliebt so oft wie ich mich selbst hasse, und na ja ich habe inzwischen gelernt dass es bei Narzissmus nicht darauf ankommt, ob man sich selbst liebt, sondern dass man sich ständig mit sich selbst ebschäftigen muss. Das nehme ich gerne für mich an denn ich bin tatsächlich jemand, dem es manchmal verdammt schwer fällt nicht alles auf sich zu beziehen und ständig in relatiion zu sich zu setzen, wobei ich mir dann schon die Frage stellen muss, bei wem das nicht so ist, ich meine unbestritten: ich mag narzisstisch sein und manchmal wenig gesellschaftsfähig und mich ausserhalb von jeglicher Gruppe zu fühlen, aber ich frage mich genauso ob nicht die meisten anderen genauso narzisstisch ist, ob nicht Narzissmus eine Illusion ist, weil es jeder ist, bzw. keine Illusion sondern nicht erwähnenswert weil es dass Element ist, dass wirklich jedem Menschen eigen ist. Ich wundere mich zum Beispiel über die ganzen Menschen, die ich als Gegenteil von mir betrachte, als scheinbar gar nicht egozentrisch, die so gruppenintergriert daherreden können, sich scheinbar für jeden interessieren, und für die sie selbst zweitrangig zu sein scheinen. Auffällig ist, dass viele von denen Klamotten am Leib haben im Wert von gut und gerne 1000 Euro, wenn man Schuhe etc. mitrechnet. Welcher Mensch, der nicht auf seine Wirkung bedacht ist, tut so etwas, putzt sich vor jedem Gang vor die Tür erst mal ne halbe Stunde raus? Was ist das? Altruismus? Unsicherheit, ob man ohne den Firlefanz angenommen werden würde? Bestimmt ganz oft, aber da sage ich: Auch meine Triebfeder für den Narzissmus ist Unsicherheit, mein Grund zur Selbstbeschäftigung: Bin ich so richtig? Kann ich das so machen? Mögen mich die anderen mit dieser Meinung? Nur dass es sich nicht auf meinen Arsch richtet und wie er in der Hose sitzt, sondern eben auf das, was ich denke und tue, ich bin unsicher, ob ich dies oder jenes denken und tun darf, und ob das mit dem, wie ich sein möchte, übereinstimmt. Ich möchte aber keineswegs den Eindruck erwecken, mein Narzissmus sei quasi nobler, weil er sich mit Innerem beschäftigt, das ist gar nicht der Fall, auch ich versuche zu einem gewissen Grad gut auszusehen und bei den Menschan anzukommen. Nur, dass es mir eben nicht wert ist, so viel zeit damit zuzubringen und so viel Geld dafür auszugeben, wie dies bei vielen anderen der Fall ist. Auch dass macht mich keineswegs besser, ich benutze diese Argumentation nur, um klarzumachen, dass ich eben leid bin, dass der, dessen Narzissmus sich eher nach innen richtet, immer der schräge Vogel und der Narziß ist, während diejenigen, die geschickt genug sind, ihre Selbstverliebtheit zur Perfektion ihrer Integration in der Masse zu benutzen, diesen Vorwurf niemals hören werden. An was denkt man denn, wenn man zu jemandem nett ist? Doch in 90% aller Fälle daran, dass man nett sein möchte, weil man möchte, dass der anderer nett zu einem ist. Reiner Selbstzweck also, als Altruismus getarnter Egoismus. Wir sind Tiere, ich konnte noch nie verstehen, dass das Tier Mensch tatsächlich noch immer der Meinung ist, die großkotzige und selbsterfundene Dreiteilung Pflanze-Tier-Mensch könnte tatsächlich Bestand haben. Das Tier kann so nett sein, ein Hund, eine Katze, kann so herzerwärmend schnurren und einen bezirzen, Liebe hervorrufen, und um was zu bekommen? Futter. Fressen. Warmes Zuhause. Das ist ein einfacher Mechanismus zum überleben, weil irgendeine übergeordete Intelligenz – ich meine nicht Gott – in den Genen festgelegt hat, dass die Art fortbestehen muss, es muss überlebt werden, und alles, was dazu dient, muss getan werden. Und das Tier Mensch ist da nicht anders, es ist nett, um gemocht zu werden, um nicht ausgestoßen zu sein, um dazuzugehören, denn draußen in der Wüste gibt es kein Futter und sind die Fortpflanzungsmöglichkeiten selten. Klar ist schon: Natürlich könnte man in unserer heutigen Zivilisation auch ohne Gesellschaft überleben, und sogar die Fortpflanzung ist ohne Gesellschaft theoretisch möglich. Aber unser Unterbewusstsein, unsere ganze Art ist dafür noch nicht weit genug und verhält sich daher noch nach Mustern, die vor tausenden von jahren eben tatsächlich noch lebenswichtig waren. Hört sich das alles unendlich desillusionierend an? Man mag mir meine Thesen widerlegen, ich bin ein Spinner und kein Wissenschaftler, aber eines lasse ich nicht gelten: Die Thesen deswegen nicht anzunehmen, weil man nicht desillusioniert werden möchte! Ich halte es deswegen für besser, sich bewusst zu desillusionieren, und natürlich für eine Weile erst einmal geschockt darüber zu sein, dass die Dinge scheinbar nicht so laufen, wie man es beigebracht bekommen hat. Wenn man dann aber bemerkt, dass dies ansonsten aber gar nichts am Verhalten ändert, noch nicht einmal all zu viele Dinge obsolet macht, hat man trotzdem etwas gewonnen: Man ist ein Stück weit dem Mystizismus entstiegen, und ein Stück weit einer reellen Sicht der Dinge näher gekommen. Man kennt keinen mystischen Unsinn mehr wie Seele oder Liebe, was aber nicht heisst, dass man sich fortan nur noch ungesetzlich und unmoralisch (Moral: auch so ein Mythos) verhält und nicht trotzdem zu der Erkenntnis kommen kann, dass man einen Partner für’s Leben haben möchte. Dadurch, dass man mit einer solchen Einstellung selbstverständlich restlos unromantisch ist, kann es aber tatsächlich gelingen, den anderen besser zu verstehen: Dass man eben NICHT alles für den anderen ist, dass man NICHT das Leben des anderen ist, und dass es umgekehrt genauso ist. Man mag ein wichtiger Teil sein, und das ist ja schon verdammt viel. Diese Erkenntnis birgt eine riesige Chance, denn sie verhindert die Enttäuschung, wenn diese Erkenntnis eben erst später einsetzt und man eben anerzigen bekommen hat, dass eine Beziehung gefälligst zu bedeuten HAT, dass man im Leben alles für einander ist, es nichts ANDERES, geschweige denn jemand ANDEREN geben darf. Wer soll das aushalten? Niemand, und deswegen sind eben die Paare ewige Paare (wünschen tun sich das ja alle, so romantisch scheint immerhin fast jeder zu sein), die es schaffen, anzuerkennen, dass es für ein Leben ausserhalb der Beziehung gibt – damit meine ich jetzt nicht zwangsläufig jemand anderes – ein Verwirklichung ausserhalb der Zweisamkeit, wie auch immer die aussehen mag. Denn in Beziehungen zeigt sich der größte Egoismus: Ich möchte so wichtig sein, dass es jemanden gibt, dessen Lebenssinn darin besteht, für mich da zu sein. Der Zusatz insbesondere von vielen Männern ist unbewusst: Während ich das Recht haben möchte, mich nach meinem Gutdünken zu verwirklichen, und mit der Frau zu schlafen, auf die ich Lust habe. Es klingt wirklich erschreckend, aber ich habe tatsächlich schon mit einigen Männern gesprochen, die mir davon berichteten, wie oft sie ihre Freundin betrogen hatten und es sich so eingerichtet haben, dass es letztlich ok ist, denn sie bräuchten dass, könnten nicht ohne, und wenn sie es nicht erfährt, wird es sie ja auch nicht traurig machen. Ja, sie hätten ein schlechtes Gewissen, aber wie gesagt: Sie könnten nicht anders. Auf die Frage, ob sie es ihrer Freundin zugestehen würden, wenn sie immerhin selbst so locker mit dem Thema umgingen, mit anderen zu schlafen, wurden sie stets unruhig: Nein, das würden sie nicht wollen, im Übrigen würde sie das auch nicht wollen, sie wäre da sehr treu, und wäre da der beziehungmensch, der immer für sie da wäre. Auf die Frage, woher sie das so genau wüssten, kam immer die Antwort: Na ja, in einer langen Beziehung wüsste man das eben. Auf die Bemerkung: Dann müsste sie aber logischerweise auch wissen, dass du sie betrügst, oder? Daraufhin Schweigen. Ich möchte nicht behaupten, dass dies reines Männerdenken ist und es nicht auch den umgekehrten Fall geben mag, in dem eine Frau so denkt, aber obenstehendes habe ich schon von mehreren Männern übereinstimmend gehört. Und es gibt nichts, was mich mehr ärgert: grenzenlose, offene Ungerechtigkeit: Wie kann man sich etwas nehmen, was man dem anderen nicht zugestehen mag, und das auch noch funktionierende Beziehung nennen. Und zu allem Überfluß an Machtanspruch auch noch die Potenz aller Machtphantasien haben, man selbst durchschaut den anderen völlig, während man selbst undurchschaubar ist? In einer Beziehung? So etwas Beziehung nennen? Du bist doof, während ich schlau bin? Und das ist kein seltener Fall, ich bin überzeigt davon, dass ganz viele Beziehungen, wenn man mal das Drumherum der Verschleierung und Manifestation abschabt, ein solcher Kern zum Vorschein tritt. Und mal ganz ehrlich, da ist es mir doch wirklich lieber, wenn ein Paar es schafft, anzuerkennen, dass man eben manchmal auch geil auf andere ist, und sich eben als Beweis einer wirklichen Verbundenheit zugesteht, so etwas auch einmal zu erleben, bevor der Wunsch die bestehende Beziehung vergiftet. Hut ab! Dass dies nicht so einfach ist, wie in der Theorie, ist ganz klar, und die Gründe hierfür sind, dass eben ein jeder doch zu einem gewissen Grad diesen Machanspruch hat, und der eben in einer solchen Situation offen zutage tritt. Ich habe schon lange eingesehen, dass es zum Erhalt und Festigung einer Beziehung gut ist, die Ketten zu lockern, und trotzdem überkommt mich ein Schauer, wenn ich daran denke, mein Freund hat gerade jemand anderen, und aus diesem Grund möchte ich von diesem Recht, dass mir mein Freund einräumen würde (was er explizit allerdings noch nie getan hat) so lange es geht keine Gebrauch machen, um ihm diese Gefühle mit den anschließenden verbundenen Problemen – auch für mich – zu ersparen. Das ist dann aber ein freiwilliger Verzicht, und ist nicht das wahre Romantik? Man darf, aber will gar nicht? Nun ja, wenn der andere beim Auspruch der Freiheit wiederum erwartet, dass man gar nicht will, ist wiederum keinem geholfen. Es ist nicht einfach, aber sowas ist immerhin ein halbwegs offener Umgang mit dem eigentlichen Problem, während die traditionelle Methode „ich mach’s einfach, weiß keiner weiß, machtz niemandem heiß, während man selbst erwartet und verlangt, dass der andere nicht genauso denkt“ tatsächlich das schäbigste Verhalten ist, was ich mir nur vorstellen kann, ganz ganz ehrlich. Ich bin abgeschweift, es sollte um Egozentrik gehen, aber ja! Stimmt, das ist Egozentrik, in seiner pursten Form sogar, und gar nicht mal selten, während diesen Leuten selten Ich-Bezogenheit vorgeworfen wird, sondern einfach nur: Der geht fremd, passiert halt. Is schon richtig, das passiert, und ich finde den Vorgang, dass sowas passiert, viel weniger tragisch, da durch in jedem Menschen existierende Geilheit relativ leicht erklärbar, als die Haltung, die da so macher / so manche in sich mit herumtragen. 

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Über mich

der ständig rotierende Geist sieht sich manchmal gezwungen, sich in Textform zu gießen und möchte gelesen werden, denn sonst käme ihm seine nicht zu stoppende Rotation noch sinnloser vor als sie ohnehin schon ist. Bisher habe ich ähnliche Blogs von anderen immer als ziemlich wichtigtuerich und unsinnig empfunden. Bin ich besser? Sicher nicht, aber zum Glück bin ich ja nicht mein eigener Leser, sondern nur mein eigener Autor. Unsinn schreiben macht wesentlich mehr Spaß als Unsinn lesen, das muss ich zugeben. In der Hoffnung auf Leser, die NICHT meiner Meinung sind, verbleibt hochachtungsvoll: R.

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